Warum werden Fische nicht als Lebewesen gesehen?

Diese Frage stellte ich mir heute an der Uni.

Eine Kommilitonin hat mit mir über meine Beweggründe geredet, vegan zu leben. Sie konnte absolut nicht verstehen, warum ich so denke, wie ich es tue, warum ich der Meinung bin, dass die Kühe es nicht so geil finden, permanent besamt, von den Kälbern getrennt und gemolken zu werden, etc.

Das Beste kam allerdings, als sie meinte, Fisch sei ja absolut in Ordnung. Schließlich sei es Fisch. Ich wusste erst gar nicht, wie ich reagieren sollte und fragte nur, warum sie das denken würde. Antwort: „weil es Fisch ist!“. Ich: „aber meinst du, ein Fisch fühlt nichts?“ Sie: „genau, ein Fisch fühlt nichts. Er ist eben ein Fisch.“.

Wir haben dann ein bisschen diskutiert und ich habe sie gefragt, warum sie das denken würde. Für mich macht das keinen Sinn. Jedes Tier besteht doch aus Sinnesorganen, Haut, usw. – da kann es doch gar nicht anders sein, als dass jedes Tier fühlt oder nicht?

Wie gesagt, für mich macht es KEINEN Sinn, dass eine Spezies weniger fühlt als andere. Und ich bin erschüttert, wenn mir jemand mit so einem „Argument“ kommt, ehrlich.

Ich habe dann gesagt, sie solle sich mal vorstellen, im Meer zu leben, immer schön im Wasser, in einem geschützten Raum… und dann wird sie an einem Haken rausgezogen. Und liegt an der Luft. Kein Wasser. Kein geschützter Raum. Keine vertraute Umgebung. Fände sie das toll? NEIN. Fände sie nicht. Aber der Fisch. Anscheinend. Wenn es nach ihr ginge.

Weil sie ist nicht überzeugt, dass ein Fisch etwas fühlen kann.

Hummer lieben es übrigens, wenn man sie in einem Topf in Wasser kocht.

Oder vielleicht auch nicht, weil Hummer fühlen ja nicht, also können wir nicht wissen, ob sie es lieben oder nicht.

Seufz.

Meine Kommilitonin (die abgesehen von diesen Aussagen nett ist) meinte dann noch, als ich sie fragte, ob der Pelzkragen an ihrer (LEDER!-) Jacke echt sei, dass sie es nicht wisse, aber selbst wenn: Pelz ist in Ordnung, weil die Tiere werden extra für den Pelz gezüchtet und werden ja nicht gequält.

Es kann sein, dass sie sich nach dieser Ansage einen Monolog über Pelzfarmen anhören musste!

Chinese Fur Trade Exposed, sage ich nur. Ein Video von vielen über die üblen Methoden der Pelzfarm-Betreiber.

Sie wollte nicht glauben, dass den Tieren auf solchen Pelzfarmen die Schädel eingeschlagen werden, sie anal Stromschläge eingeführt bekommen, lebendig gehäutet werden und zuvor in den miserablen Zuständen überhaupt leben.

ABER: ich habe es versucht, und trotz ihrem Unverständnis bin ich sicher, dass sie bei nächsten Mal an mich oder zumindest an meinen „Fuck Fur“ Sticker auf meinem Kalender denkt.

Und ich hoffe, dass, wenn sie irgendwann mal einen Delphin sieht, und sich denkt, dass dieser sehr wohl Gefühle hat, sie dann ebenfalls denkt, dass es keinen Unterschied macht, ob es eine Makrele oder ein Delphin ist. Wir alle sind Lebewesen mit Gefühlen. Amen.

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23 Kommentare zu “Warum werden Fische nicht als Lebewesen gesehen?

  1. Fische sind halt häßlich! Wozu soll man häßliche „Dinge“ bewahren?
    Delphine kannst du leider auch nicht richtig mit ihnen vergleichen, weil ein Delphin zwar auch im Wasser lebt, aber nach den Regeln eines Säugers.
    Ich find die Diskussion sehr leidig. Gern kommt dann auch mal: Vielleicht hat dein Gemüse ja auch Gefühle? Zumindest hat es kein Nervensystem, ein Fisch schon.
    Dazu kommt der Aspekt, dass durch die ganze Fischfresserei diverse Arten einfach ausgerottet werden. Wenn ich diese ständige Propaganda höre, wie gesund Fisch doch ist, könnt ich auch jedes Mal schreien.
    Hatte da letztens einen Fall in der Rechtsmediziner: Frau hat Mann vergiftet. Am Ende kam raus, dass die Frau gar nichts dazu konnte, die beiden nur so viel Fisch gefuttert (mehrmals täglich) haben, dass sie sich konsequent mit Schwermetallen vergiftet haben. Prost, Mahlzeit!

    • das mit den Schwermetallen sollte man echt nichts unterschätzen!! Aber geil, das erst die Frau dran Schuld gewesen sein sollte…
      Ach, „Gemüse hat auch Gefühle“ nervt mich so sehr. Da antworte ich schon gar nicht mehr drauf.

  2. Erinnert mich an einen tollen Dialog in einer Raststation, wo ich mit einer Ausflugsgruppe hingekarrt wurde. Ein Selbstbedienungslokal.

    Ich: Wo finde ich die vegetarische Option bei den Hauptspeisen?
    Koch: *zeigt stolz auf den Lachs*
    Ich: Hat der nie gelebt?
    Koch: Sonst kann ich Ihnen nur noch die Beilagen anbieten.

    Ich bin kein Veganer, aber ich lebe auswärts vegetarisch. Mir blieben also noch die Speckböhnchen und die Schmalzkartoffeln. Und die Salate mit Garnelen und Thunfisch. Komische Welt!

    Liebe Grüße
    Nadja

    • Oh Nadja, warum hast du dann die Speckböhnen nicht gegessen? Ist doch ne super vegetarische Beilage!! 😉
      Manche Leute raffen leider nicht, was Vegetarismus bedeutet…

  3. Es gibt sogar viele Pizzalieferdienste, die auf einer vegetarischen Pizza Meeresfrüchte anbieten O.ô Viele, die zur Fastenzeit vegetarisch essen, essen jedoch Fisch. Eigentlich fast alle, sobald aus christlich-religiösen Gründen gefastet wird.
    Ich habe Fisch z.B. noch nie gegessen. Ich fühlte mich mit Fischen immer irgendwie verbunden, weil ich vom Sternzeichen her Fische bin…als Kind reicht diese Logik vollkommen aus, um seine „Artgenossen“ zu verschonen.
    Dann habe ich mal Lachs, Thunfisch etc. gegessen, weil es ja angeblich so gesund ist, geschmeckt hat es mir nie…aber es war halt gesund, also aß ich es. Doof ich weiß.
    Diese Ungläubigkeit gegenüber von Tatsachen (siehe Pelze) erlebe ich auch immer wieder. Meine Mutter z.B. liebt Pelz. Was hat sie sich schon von mir anhören müssen…aber es wird ignoriert bzw. geleugnet…aber solche Filme will sie dann doch nicht sehen und bei Tieren, die in diversen Blockbustern verletzt werden (z.B. die Pferde bei Kriegerschlachten), da tut ihr das Leid. Vollkommen unverständlich, wenn du mich fragst.

    • Das ist auch unverständlich! Tierleid ist Tierleid, da sollte man keine Ausnahmen machen.
      Ich habe das früher allerdings auch gemacht, und z.B. NIE Lamm gegessen.
      In asiatischen Restaurants stehen auch ganz oft Fischgerichte in der vegetarischen Sektion…
      Und du warst nicht doof, sondern unwissend! (Und das hat sich ja zum Glück geändert ;))

  4. schau mal hier: http://www.int-res.com/articles/dao_oa/d075p087.pdf
    marc bekoff ist im bereich der kognitiven ethologie tätig und hat einige interessante artikel zu der notwendigkeit einer angemessenen ethischen haltung gegenüber nicht-menschlichen tieren veröffentlicht. in dem artikel, den ich hier gepostet habe, geht es auch um die fischproblematik.
    lieber gruß, caro

  5. Oh wow. Vielleicht ist von deinen Aussagen irgendwas bei ihr haengen geblieben. Vielleicht aber auch nicht. Sie kann es nur verstehen, wenn sie bereit dazu ist, aber es war sicherlich gut, ihr mal ein paar grundlegende Gedanken dazu vorzulegen.

  6. Das ist ja zum heulen. Guter Post!
    Ich habe schon von einigen „VegetarierInnen“ gehört, die auch der Meinung sind, Fisch zu essen sei was anderes als andere Lebewesen zu essen.
    Uaah. Mich schüttelt’s jedes mal, wenn ich sowas hören muss 😥

  7. Hm, also für mich ist Tier nicht gleich Tier. Ich weiß nicht, warum, aber finde es schlimmer, wenn Schweine gegessen werden, als wenn man Fische auftischt.
    Ich finde es ja auch schlimmer, wenn ein Hund stirbt, als wenn eine Fliege auf der Autoscheibe „explodiert“. In der Realität ist es doch so: Je intelligenter ein Tier ist, desto mehr schätzen wir es, oder? Es fällt bestimmt schwerer, eine Kuh zu schlachten, als eine Mücke zu erschlagen.

    Ich finde es zwar auch albern, wenn man sich als Vegetarier bezeichnet, und Fische isst, aber ich persönlich leide bei Fischen nicht genauso mit.
    Immerhin leben die meisten von ihnen bis zu ihrem Tod in ihrem natürlichen Lebensraum, und werden nicht extra in Schlachthäusern gezüchtet und gequält.

    Mit einem Delphin lässt sich das kaum vergleichen. Der ist ja ein Säugetier, und zudem hochintelligent.

    Jedem Tier den gleichen Wert zuzusprechen, ist ein Ideal. Aber leider total unrealistisch. Es wird niemals so sein, dass wir alle Tiere verschonen können. Und wenn es auch kleinste Insekten sind…
    Die Frage ist da nur: Warum dürfen wir zwischen einem Käfer und einem Hund unterscheiden, aber nicht zwischen einem Fisch und einem Schwein?

    • dass die meisten fische in ihrem natürlichen lebensraum leben stimmt einfach mal nicht. ein großteil der fische stammt aus aquakulturen. das ist vergleichbar mit massentierhaltung bei masthühnern nur eben unter wasser. die fische leben enganeinandergequetscht in ihren eigenen fäkalien, teils übersäht mit wunden etc
      wenn man mal ein zwei artikel oder videos über hochseefischerei gesehen hat, dann weiß man auch wie grausam das für die fische ist, mal abgesehen von dem ganzen „beifang“ (was für ein euphemismus), der dabei noch gefangen wird :/
      was kann der fisch dafür, dass er nicht schreien kann und uns nicht mit großen dackelaugen anschauen kann und anatomisch weiter von uns entfernt ist als ein schwein?
      „Jedem Tier den gleichen Wert zuzusprechen, ist ein Ideal.“ Ja das stimmt, aber macht es das weniger erstrebenswert?
      Alle Tiere sind Lebewesen, also Wesen, die leben wollen, also sollten wir und alle ihnen doch dieses Grundrecht, das Recht auf Leben, zugestehen.

    • Also, ich denke auch, es wäre utopisch zu glauben, dass für die Menschen mal alle Tiere gleich sind. Für mich ist das allerdings so. Jedes Tier hat das Recht auf Leben, finde ich.

      „Immerhin leben die meisten von ihnen bis zu ihrem Tod in ihrem natürlichen Lebensraum, und werden nicht extra in Schlachthäusern gezüchtet und gequält. “ Da muss ich Lena zustimmen. Das ist eine große dicke fette Lüge. Es gibt tausende Fischfarmen, und fast nichts ist mehr natürlich. „Natürlicher“ Fisch ist fast unbezahlbar, der Rest ist entweder illegal gefischt oder stammt aus Zuchtanlagen, in denen Millionen Fische auf kleinstem Raum leben und mit Chemikalien zugebombt werden.

  8. Manchmal bin ich wirklich entsetzt, wie – verzeihung – beschränkt und blauäugig manche Menschen sind. Ich musste auch einmal eine Diskussion führen mit einer jungen Dame, die überzeugt war, Kühe würden platzen wenn sie nicht gemolken werden. Wie absurd schon allein dieser Gedanke ist! Wie war das dann in der Zeit vor Melkmaschinen, sind die Kühe dann massenweise hochgegangen?
    Diese menschliche Arroganz, davon auszugehen, alles drehe sich um die eigene Spezies („Ohne den Mensch können diese Tiere nicht leben“) ist einfach widerlich.

    Zum Thema Fische sollte man sich vielleicht mal ein oder zwei Ausgaben vom Greenpeace Magazin zulegen, die schreiben immer ziemlich schonungslos über die heutigen Zustände in den Meeren. Jedes Mal beim Lesen bröckelt da mein Glaube an die Zukunft der Menschheit, ernsthaft…

    Grundsätzlich kann man sagen, dass es kein 100% veganes Leben gibt. Ich zertrete vermutlich jeden Tag bei jedem Schritt tausende von Kleinstlebewesen. Aber bewegen müssen wir uns alle. Selbst beim Ernten von Gemüse geraten z.B. Rehe in die Mähdrescher. Man könnte selbst anbauen. Aber welcher Stadtmensch kann sich komplett selbst versorgen? Essen müssen wir alle.
    Für mich bedeutet Veganismus das Vermeiden von Leid so weit es irgend möglich ist. Dazu gehört auch, die Fliege aus dem Haus zu scheuchen. Wespen lasse ich auf mir rumkrabbeln, bis sie wegfliegen. Stechmücken versuche ich erst zu jagen, wenn ihr Surren für mich unerträglich ist, ansonsten nehme ich ein paar Stiche in Kauf. Und in meiner Backstube taucht ab und zu mal eine Küchenschabe auf, selbst die kann ich nicht totschlagen (auch wenn ich müsste), von Mäusen mal ganz zu schweigen.
    In solchen Kleinigkeiten liegt der Veganismus… dazu kann jeder beitragen.

    • Toller Kommentar.
      Wobei ich sagen muss, dass die Kühe dann aber die Kälbchen brauchen zum Euter-Leeren.
      Aber es stimmt: Tiere brauchen uns absolut nicht!!
      Und an ein 100% veganes Leben glaube ich auch nicht. As vegan as possible, wie wir gelernt haben 😉

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