Vegan in Asien: Tierleid.

Wenn man als Omni jemanden sagt, dass man nach Asien reist, kommt wohl gleich die Warnung: pass bloss auf, dass du dort keinen Hund isst.

Tatsaechlich ist mir Hundefleisch nur 3x auf dem Menu begegnet und das auch nur in Vietnam.

Dennoch ist es aber so, dass Asiaten in der Regel Teile vom Fleisch essen, die bei uns als Abfall bewertet werden (oder in Tierfutter vermischt und verkauft werden).

Nicht nur ist es hart, alle Innereien auf dem Markt praesentiert zu sehen, es gibt noch andere Erlebnisse, die mir im wahrsten Sinne des Wortes Albtraeume beschert haben. Und dazu zaehlt noch gar nicht mal der tote Schweinskopf, der Buddha in Ankgor Wat praesentiert wurde (neben den Coca Cola Dosen und Zigaretten).

Eine wenige Markte (z.B. hier wo ich gerade bin, auf Cat Ba im Norden von Vietnam) haben eine Trennung von Obst/Gemuese mit Fleisch, doch meistens ist alles total gemischt, d.h., wenn man auf den Markt geht, sieht man unweigerlich grosse Mengen an Fleisch.

Und nicht so schoen verpackt wie in Europa, nein – ganze Stuecke, die oft in der Sonne vor sich her schmoren, besetzt von dutzenden Fliegen und auf Wunsch des Kunden in handliche Portionen gehackt werden.

Ueberall sind Innereien, Schweinekoepfe und – fuesse, Knochenabfaelle und mehr zu sehen.

Es ist aber nicht nur das tote Fleisch leider. In Asien ist alles, was man auf dem Markt bekommt, super frisch. Das Fleisch kommt von der Schlachtung am fruehen Morgen, Gemuese kommt direkt von der Farm und es werden lebendige Tiere verkauft, die entweder direkt vor Ort geschlachtet werden koennen oder die man so kaufen und zuhause zubereiten kann.

Da gibt es Huehner, Kampfhaehne, hunderte von Kueken, Gaense, Enten…

Eine meiner schlimmsten Markt-Erinnerungen ist als wir an einem Stand mit Enten vorbei sind. Man hatte ihnen die Beine zusammengebunden, sodass sie nicht wegkonnten, und 3 von ihnen sassen in einer kleine Wanne zusammengepfercht. Es war heiss an dem Tag, 32 Grad im Schatten und die Enten hatten Durst. Ich musste zusehen, wie sie in groesster Verzweiflung Wasser suchten – sie haben sich gestreckt, so weit es ging, den Hals verrenkt und dann hat es eine Ente geschafft, aus einer mit Fischabfaellen uebersehten Pfuetze ein wenig schlammiges Wasser zu trinken. Ich fand es so furchtbar, dieses Leid mitanzusehen und nichts tun zu koennen.

Dann die Voegel. Man haelt hier Voegel in Kaefigen fuer Glueck. Auch wenn sich viele Besitzer um die Voegel kuemmern, und zumindest den Kaefig sauberhalten, tagsueber mit einem Tuch abdecken als Schutz vor der Sonne und regelmaessig fuettern, das ist nicht immer der Fall. Oftmals sind viel zu grosse Voegel in viel zu kleinen Kaefigen und fristen in ihrem eigenen Dreck ein tristes Dasein.

birdsincages

Und die Fische und Meeresfruechte, die man ebenfalls auf jedem Markt und in Restaurants sieht.

Man kann toten Fisch und lebenden Fisch kaufen.

Fuer letzteres: Es sind nicht immer Aquarien, vielmehr sind es Schuesseln, in denen die Meerestiere gehalten werden. Meist nicht mit ausreichend Wasser bedeckt schnappen sie nach Luft, bis sich jemand erbarmt und etwas Wasser nachgiesst, da tote Fische (wenn sie lebendig sein sollen) nicht verkauft werden.

Krabben werden bei lebendigem Leibe die Arme und Fuehler abgeschnitten und so verkauft.

In Ho Chi Minh City in einem Fischrestaurant, in welches meine Freunde wollten und von welchem in schnurstracks in mein veganes Restaurant bin, wurden die Krabben ebenfalls so vorbereitet und dann ohne vorheriges Kochen auf den Grill gelegt. Dort versuchten sie den Flammen zu entkommen. Ohne Erfolg.

Fuer die Leute hier sind diese Methoden voellig normal.

Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es in Europa nicht besser, nur wird das meiste hinter geschlossenen Tueren gehandhabt.

Maerkte sind aber nicht der einzige Ort, an dem man Tierleid begegnet.

Waehrend hier im Norden von Vietnam wirklich Haustiere gehalten werden, um die man sich kuemmert (Futter, Impfungen, Streicheleinheiten, gesundes Fell, Halsband und warme Unterkunft), sieht man im Rest des Landes und angrenzenden Laendern komplett abgemagerte Hunde, Kuehe, Gefluegeltiere und Katzen.

Keiner impft die Tiere aufgrund von Geldmangel, keiner sterilisiert die Tiere aufgrund von Geldmangel und ebenfalls aus Geldmangel bekommen die Tiere auch nicht genug zu essen.

Gerade Hunde sind lediglich dazu da, das Haus zu bewachen – alles andere ist egal.

Meine vietnamesische Freundin sagte „Ein Hund ist hier kein Teil der Familie. Kein Tier ist das.“

Ich bin mittlerweile knapp 8 Wochen unterwegs und immer noch zerreisst es mir das Herz, wenn ich Tierleid mitansehen muss.

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8 Kommentare zu “Vegan in Asien: Tierleid.

  1. Während meinem Aufenthalt in Asien habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie du. Ich fand auch vieles sehr schrecklich und kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. 😦
    In einem Punkt möchte ich dir aber wiedersprechen: Ich finde es eher lobenswert, wenn von einem getöteten Tier so viele Teile wie möglich gegessen werden bzw. anderweitig verwendet werden. Ich finde es schlimmer, wenn ein Großteil des Tieres auf dem Müll landet. Wenn das der Fall ist, kommt mir der Tod des Tieres irgendwie noch sinnloser und schrecklicher vor, als ohnehin schon.
    lg

  2. Ich habe mich gerade entschlossen, vegan zu leben. Vegetarisch esse ich schon seit zwei Jahren, ich hätte nicht gedacht, dass es trotzdem noch eine große Umstellung ist. Wie habt ihr das mit dem Umschwung gemacht?

      • Ich kann da nur fuer mich sprechen (weil du „eurer“ sagst).
        Ich habe Milch und Eier noch nie gemocht und auch fast nie verwendet, Sachen wie Schokolade fand ich auch noch nie toll und mit anderen Milchprodukten war ich ziemlich maeklig – d.h. ich habe nur mal Gouda, Mozzarella oder Feta gekauft, Butter gab es bei mir nie.
        Und troztdem fand ich es schwierig, den Kaese komplett aus meiner Ernaehrung zu streichen. Es hat bestimmt 3 Monate gedauert, bis ich ganz vegan war.
        Da ich so lange davor Vegetarierin war, wusste ich ueber viele Themen schon Bescheid und musste nicht nochmal komplett bei Null anfangen was Research betrifft, aber dennoch hat es bisschen Zeit gekostet.
        Wenn ich mich mit anderen vergleiche, die komplett alle Milchprodukte gegessen und gemocht haben, war es bei mir definitiv viel einfacher!

  3. Hallo Michaela, ich bin gerade in Kambodscha unterwegs und hab als Veganerin auch so meine Probleme. Heute bin ich mit einem Minibus nach Phnom Penh gefahren und ein paar Leute wollten ein Huhn mitnehmen. Das wurde dann unter das ganze Gepäck gestopft, das hinten am Bus (außen) angebunden war und ist dort so langsam platt gedrückt worden. Ich hab es erst gesehen, als das Gepäck abgeladen wurde. Das Huhn war total zerquetscht und hat laut geschrien. Interessiert hat es niemanden. Mir ist jetzt noch ganz schlecht. Neulich wurde auch fast vor meinen Augen ein Büffel geopfert, sie wollten ihn allerdings nicht nur töten, sondern erst die Füße abhacken und ihn dann töten. Frag mich nicht, warum, aber unser Führer hat es uns so erklärt. Ich hab ein Riesendrama gemacht, so dass wir dann direkt vor der Aktion gerade noch weggekommen sind. Mir hat das was gebracht, dem Büffel leider nicht. Nicht dass es bei uns besser wäre….. Vielleicht ist es hier sogar weniger pseudo. In Deutschland hätten alle das arme Huhn bemitleidet und wären dann kurz später zu Kentucky Fried Chicken oder so. Trotzdem ist es für mich echt extrem hart. Bist du noch in Kambodscha?

    • Helen, ich weiss genau, was du meinst… Das mit dem Huhn habe ich auch in aehnlicher Form erlebt.
      Gott sei Dank musstest du nicht bei der Opferung zusehen.
      Es gibt so viele grausame Rituale in der Welt, die ich absolut nicht verstehe!
      Nein, ich bin vor Weihnachten aus Kambodscha weg. Die knapp 4 Wochen waren mehr als genug fuer mich.
      Bereist du noch andere Laender?
      LG und viel Glueck fuer dich!

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